Es besteht ein erheblicher Unterschied zwischen einer Organspende und einer Gewebespende. Worin dieser Unterschied liegt, ist oftmals unbekannt. Gleichwohl gilt es zu differenzieren, ob man Organe und/oder Gewebe spenden möchte.

Organspende: nach festgestelltem Hirntod

In Deutschland können Organe bei Vorliegen des Hirntodes eines Menschen entnommen werden.

Der Hirntod ist definiert als Zustand der unwiderbringlich erloschenen Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms. Sollen Organe entnommen werden, wird das Herz-Kreislauf-System des Spenders künstlich aufrechterhalten (Quelle: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)).

Entnahmefähige Organe sind Niere, Leber, Herz, Lunge, Pankreas (Bauchspeicheldrüse) und Dünndarm.

In Deutschland kamen in 2014 ca. 2000 Personen als Organspender in Betracht (Jahresbericht 2014 Deutsche Stiftung Organtransplantation).

Einen guten Überblick über das medizinische Verfahren der Organentnahme und des Merkmals des Hirntods bietet die Stellungnahme des Deutschen Ethikrates aus dem Jahr 2015 ab Seite 17.

Gewebespende: auch noch nach „Herztod“

Eine in der Praxis weitaus größere Bedeutung hat die Entnahme von Gewebe. Denn für die Entnahme von Gewebe ist die Feststellung des Hirntodes keine Voraussetzung, sondern das Gewebe kann auch noch nach dem vollständigen Herz-Kreislauf-Versagen (Klinischer Tod) entnommen werden.

Eine Entnahme von Gewebe ist bis zu 72 Stunden nach Eintritt des Todes möglich. Circa 2/3 der Verstorbenen kommen für eine Gewebeentnahme in Betracht (Quelle: BZgA).

Entnahmefähige Gewebe sind die Augenhornhaut, Blutgefäße, Haut, Herzklappen, Sehnen und Bänder, Knochen sowie die Eihaut der Fruchtblase (Amnion).

Das entnommene Gewebe wird in gemeinnützigen Organisationen wie dem Deutschen Institut für Zell- und Gewebeersatz (DIZG) gereinigt, aufbereitet und weiterverarbeitet. Über die Anwendungsgebiete der entnommenen Gewebe können Sie sich z.B. auf der Internetseite des DIZG einen Überblick verschaffen.