Die Verwendung von Mustern für Patientenverfügungen – und zwar auch von denen, die die Erstellung einer rechtswirksamen Patientenverfügung ermöglichen – kann Nachteile haben. Einen Nachteil sehen wir darin, dass die Menschen nicht immer die Patientenverfügung bekommen, die zu ihnen passt.

Denn ein Muster bietet nur eine begrenzte Anzahl von Entscheidungsmöglichkeiten. Bei unserer Arbeit als VorsorgeAnwälte erleben wir jedoch immer wieder, wie unterschiedlich die Wünsche, Ansichten und teilweise auch Ängste unserer Mandanten sind. Diese ganz eigenen und individuellen Vorstellungen können nicht immer mit einem vorgefertigten Muster abgedeckt werden.

Hier ein Beispiel aus unserer Praxis:

Eine Mandantin war sich nicht ganz sicher, wie sie zum Thema „Wachkoma“ und dem Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen – wie z.B. der künstlichen Ernährung – stand. Einerseits fand sie die Vorstellung furchtbar, jahre- oder jahrzehntelang in einem Wachkomazustand ohne Aussicht auf Besserung zu leben. Andererseits hatte sie die große Sorge, dass sie sich durch den Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen der Möglichkeit beraubte, „vielleicht nach einem Jahr doch wieder aufzuwachen“. Wir besprachen diesen Punkt ausführlich und sie entschied sich dafür, dass die lebensverlängernden Maßnahmen erst nach einem bestimmten Zeitraum eingestellt werden sollten (diese Möglichkeit sehen die Muster nicht vor). So konnten wir für sie eine Patientenverfügung erstellen, die sich für sie richtig anfühlt und die ihren Wunsch juristisch abgesichert zum Ausdruck bringt.

Eine weitere Gefahr bei der Verwendung eines Musters besteht darin, dass bereits die Möglichkeiten, die sich aus dem Muster ergeben, nicht erkannt werden, da sich dem Verwender die Struktur des Musters manchmal nicht auf den ersten Blick erschließt.

Auch hierzu ein Beispiel aus unserer Praxis:

Ein Mandant ging davon aus, dass er in einer Patientenverfügung nur eine „Ganz-oder-gar-nicht“-Entscheidung treffen könne, dass er also zu der Frage, ob er lebensverlängernde Maßnahmen wünsche oder nicht, nur insgesamt „ja“ oder „nein“ sagen könne. Wir klärten ihn darüber auf, dass er nicht für alle in Betracht kommenden lebensverlängernden Maßnahmen die selbe Entscheidung treffen müsse, sondern dass er in Bezug auf jede einzelne lebensverlängernde Maßnahme eine individuelle Entscheidung treffen könne. Er entschied sich dann dafür, dass in bestimmten medizinischen Situationen eine künstliche Ernährung und Beatmung eingestellt werden solle, wohingegen er die Gabe von Antibiotika und Blut bzw. Blutbestandteilen zur Lebensverlängerung erlaubte.

Diese Beispiele zeigen auch die Bedeutung einer Beratung, da dem Mandanten oftmals erst in einem Gespräch deutlich wird, welche konkreten Möglichkeiten er überhaupt hat und wie seine Wünsche juristisch gesichert ausgedrückt werden können.

Wir beraten Sie gerne! Sprechen Sie uns an.